Reportage

"Autofrei leben" - Erfahrungsberichte

Mit Anhängern und Lastenrädern geht so einiges mit! Foto: Thule
Mit Anhängern und Lastenrädern geht so einiges mit! Foto: Thule

Autofrei leben - wie geht das?

Es gibt viele Ausreden, oh ja. Von „wie soll ich dann meine Einkäufe machen?“ über „mit Kindern geht das einfach nicht“ bis hin zu „es regnet doch ständig“ haben wir alles schon gehört. Aber ganz ehrlich: Es sind eben oft nur Ausreden.
 
Gerade in Städten, wo die Distanzen gering und die Infrastrukur mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut ist, ist der komplette Umstieg möglich. Für Menschen, die immer wieder große Einkäufe machen, ist vielleicht die Ergänzung mit einem Cargobike die richtige Entscheidung. Und natürlich kann man sich bei einem der Auto-Sharing-Systeme anmelden.
Jetzt sind Sie gefragt!

Laut Verein „autofrei leben“ besitzt fast ein Viertel aller Haushalte in Deutschland kein Auto, in Städten über 500.000 Einwohnern sind es sogar über 40 Prozent der Haushalte. Alle diese Menschen beweisen tagtäglich, dass ein Leben ohne Auto möglich ist. Wir wolltens wissen und haben Sie gefragt: Leben Sie autofrei? Wie organisieren Sie Einkäufe, Kindertransport und den Weg zur Arbeit? Vielen Dank für Ihre zahlreichen Einsendungen. Ein paar Highlights stellen wir Ihnen nach und nach vor. Dieser Artikel wird fortlaufend ergänzt! Sie können uns weiterhin schreiben, per Mail an johanna.nimrich@bva-bikemedia.de - wir freuen uns auf Ihre Einsendung.

Übrigens: Unsere 10 Argumente für den Umstieg aufs Rad finden Sie in der aktiv Radfahren-Ausgabe 5-2017, zahlreiche Erfahrungsberichte in der Ausgabe 6-2017.

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Benno Bretthauer und seine Frau

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Benno Bretthauer und seine Frau
Ich will den Kostenklotz Auto nicht mehr

Ende September 2008 zog ich nach Wien zu meiner Frau. Etwa drei Monate später verkaufte ich für 50 EUR mein Auto. Das war das beste Geschäft meines Lebens!!! Mit dem gesparten Geld gehen wir jetzt lieber sehr gut Essen und gönnen uns mehr Urlaub und mehr Urlaubswochenenden, die wiederum gerne auf den Rädern! Wien hat ein sehr gutes öffentliches Verkehrsnetz und die Jahreskarte der Wiener Linien ist günstig - wer hier noch Auto fährt, ist echt selber Schuld. Bei gutem Wetter nutze ich auch gerne meine sechs Fahrräder (das siebte wird grade aufgebaut). Eingekauft wird entweder zu Fuß, mit dem Rad oder wenn es viel wird, zusätzlich mit dem Anhänger, so habe ich einmal vier Paletten für eine tolle Balkonbank mit dem Anhänger quer durch Wien transportiert. Auch Sperrmüll wird mit dem Anhänger transportiert und bei großer Ernte von unserem Selbsterntefeld kommt auch der Anhänger zum Einsatz. Wir finden es super, unser Leben ohne Auto zu bestreiten. Ich will mir den Kostenklotz Auto nicht mehr ans Bein binden. Ich habe lieber meine Fahrradsammlung, die ich mir mit Auto gar nicht leisten könnte. Wir zahlen keine Parkgebühren, brauchen keinen Benzin, keine teuren Versicherungen, Steuern usw. und viele Reparaturen kann ich selbst erledigen und wenn ich mal nicht mehr weiterkomme, habe ich einen günstigen Händler.

Benno Bretthauer, Wien

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Bei jeder Witterung fühle ich mich wohl

Wir sind eine vierköpfige Familie zwischen 57 und 14 Jahren und leben seit 2009 autofrei. Seit 2012 fahre ich täglich täglich bei jedem Wetter (im Winter mit Spikes) mind. 30 km täglich zur Arbeit, Hausbesuchen und Einkäufen sowie am Wochenende auf Tour. Großeinkäufe per Rad mache ich mit Lastenkorb, Satteltaschen und Rucksack.Mit der entsprechenden Radkleidung fühle ich mich bei jeder Witterung auf dem Rad wohl – auch bei Starkregen und Minustemperaturen. Das hohe Verkehrsaufkommen auf engen Straßen bietet leider jede Menge Konflikt- und Gefahrenpotential. Dennoch ziehe ich das Rad jedem anderen Verkehrsmittel vor, weil ich mich sehr zügig durch die Stadt bewegen kann, keinen Parkplatz suchen muss, meine tägliche Bewegung habe – und nebenbei 15 kg abgenommen habe. Für Urlaube nutzen wir Carsharing.

Manuel Gaentzsch, Bielefeld

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Wieder 100-Prozent-Radler

Ich hatte früher zwei Autos, eine Familien Kutsche und einen Sportwagen. Dann steckte ich nur im Stau, hatte viel weniger Geld und wurde immer dicker. Ich erinnerte mich an meine Radltage zurück wo ich noch privat und als Kurierfahrer durch die Gassen Wiens zischte. Deshalb verkaufte ich beide Autos und wurde wieder zum 100-Prozent-Radler. Und dann ist der Boom mit den Lastenräder gekommen. Heute ist die Ute mein Alltagsfahrzeug und auch für mein Engagement bei Foodsharing in Wien ist das Lastenrad sehr praktisch. Ja klar, ein Auto kommt mir keines mehr ins Haus bzw. in meine Garage!

Walter Albrecht, Wien

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Ein großer Gewinn

Seit ungefähr zwei Jahren habe ich kein Automobil und ich vermisse es auch nicht. Meine alltäglichen Dinge bewältige ich mit dem Fahrrad, für größere Einkäufe habe ich mir einen Anhänger besorgt. Beruflich bin ich zwar partiell auf ein Auto angewiesen ( Hausbesuche in der näheren und weiteren Umgebung bis zu 30 km ), deswegen bin ich Mitglied im örtlichen Carsharing und siehe da, es ist sogar preisgünstiger als der eigene PKW auch bei längeren Touren. Meine Urlaube gestalte ich schon seit über 20 Jahren mit dem Rad ( Deutschland, benachbartes Ausland) meistens ab Haustür, gegebenenfalls beginnt die Reise mit der Bahn. Insgesamt ist die Fahrradmobilität für mich ein großer Gewinn.

Robert Fischer, Marburg/Lahn

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Mich nervte der Auto-Kult

In meiner Familie hat das Auto immer eine große Rolle gespielt und ich habe den Führerschein sehr bald gemacht – aber noch nie ein Auto besessen. Ich lebe autofrei und bin froh darum. Meine Eltern wohnen auf dem Land in Franken mit sehr hügeligem Gelände, da kann man nicht mal schnell in den nächsten Ort zum Einkaufen radeln. Soweit klar; was mich nervte war der Kult, der um das Auto betrieben wurde und wird. Dass das Fahrrad nicht nur ein Freizeit-Sport-Gerät ist, kapieren viele Landbewohner zumindest in den Mittelgebirgen nicht. Als ich das erste Mal mit dem Rad meine Mutter besuchte, war das Erstaunen groß, ein Teil Verachtung gegenüber dem, was man nicht kennt, war auch mit dabei. Jetzt wohne ich in Dortmund und da kann man zu meiner Freude ein Lastenrad ausleihen.

Angelika Steger, Dortmund

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Das Auto stand oft über Wochen nur rum

Autofrei leben geht sehr gut. Selbst wenn man in einer ländlichen Region wie dem Emsland lebt, wo jeder glaubt ohne Auto geht garnichts und mindestens eines vor dem Haus stehen hat. Also wir, das ist die Familie Schrader mit zwei Jungs (10, 12) und wir wohnen in Meppen. Bis November 2016 hatten wir noch ein eigenes Auto. Doch eigentlich haben wir fast alle Wege mit dem Rad gemacht, weil die Wege hier für uns sehr kurz sind. Im Radius von ca. 5 km können wir alles erreichen (Schule, Arbeit, Artzt etc.). Daher stand das Auto oft über Wochen nur rum und kostete viel Geld. Dann stand eines Tages in der Zeitung, dass in Meppen testweise ein CarSharing-Angebot eingeführt werden soll. Das haben wir dann sofort zum Anlass genommen und das eigene Auto verkauft. Wenn wir dann doch mal ein Auto brauchen (so ab und an ist es ja doch recht nützlich) nutzen wir dieses Angebot. Unsere Erfahrungen bisher sind also sehr positiv und wir sind froh diesen Schritt gegangen zu sein. Wir kommen sehr gut klar auch ohne eigenes Auto.

Fam. Schrader, Meppen
 

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