Reportage

Marokko - Frauen erleben ein faszinierendes Land

Teilnehmerinnen der Frauenradreise in Marokko
Teilnehmerinnen der Frauenradreise in Marokko

Interview mit Reiseleiterin Martina Friemel

Martina Friemel ist Reiseleiterin und bietet Radreisen durch Marokko speziell für Frauen an. Dabei steht neben dem sportlichen Unterwegssein auch das Eintauchen in die Kultur vor Ort im Mittelpunkt. Welche Philosophie steckt dahinter, was treibt sie und die Teilnehmerinnen an? Wir haben uns mit Martina Friemel unterhalten.

Frau Friemel, woher kommt Ihre Liebe zum Radfahren?
Ich bin seit meiner Jugend immer schon viel und gerne mit dem Rad gefahren. Für mich war es ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit von den Eltern. Später habe ich auch meine vier Kinder früh mit dem Radfahren vertraut gemacht. Einige Jahre habe ich an Triathlon-Veranstaltungen teilgenommen, unter anderem am sogenannten Ironman. Dabei war das Radfahren immer meine Lieblingsdisziplin. Wenn ich nach etwas süchtig bin, dann nach Bewegung und nach frischer Luft – da gibt es für mich nichts Schöneres als das Unterwegssein mit dem Rad.

Und wie kommt es, dass Sie nun Radreiseleiterin sind?
2008 war ich erstmals auf einer längeren Radreise, mit meiner ältesten Tochter durch den Südwesten Australiens. Dabei kam mir der Gedanke, so eine Tour mit einer Gruppe durchzuführen. Auf der f.re.e, der Reise- und Freizeitmesse in München, kam ich dann ins Gespräch mit dem Schweizer Radreiseveranstalter Bike Adventure Tours und wurde kurz danach ins Team aufgenommen. Ich ließ mich in Stuttgart bei der Agentur „Travel & Personality“ als Reiseleiterin ausbilden. Für Bike Adventure Tours bin ich in Mittel- und Südamerika unterwegs. Außerdem begleite ich meine selbst kreierten Erlebnistouren. Zu diesen gehören auch die Radreisen für Frauen durch Marokko.

Ursprüngliches Fischerdorf bei Essaouira.

Was ist das Besondere an Ihrer Marokko-Radreise?
Als ich 2011 das erste Mal durch Marokko reiste, war ich vor allem fasziniert von der Arganeraie, dem Gebiet im südwestlichen Marokko, in dem der einzigartige Arganbaum wächst. Aus seinen Früchten wird seit vielen Generationen das wertvolle Arganöl gewonnen. Es wird auch das flüssige Gold Marokkos genannt. Die Ölherstellung ist zum Großteil Frauenarbeit. Es gibt in der Region viele Frauenkooperativen, die den Frauen zur Selbständigkeit durch eigene Erwerbsarbeit verhelfen. Dieses Thema und die wunderschöne Gegend wollte ich gerne anderen Frauen nahebringen. Meine Reise durch Marokko ist keine sportliche Mountainbike-Tour, auch wenn es natürlich manchmal Herausforderungen auf der Route gibt. Es geht auch nicht darum, eine Strecke abzufahren, um hinterher den Weg zu kennen. Sondern darum, zu entdecken: Was liegt alles am Wegesrand? Das Land und seine Kultur kennenzulernen ist mir wichtig. Ich sehe mich dabei durchaus als Vermittlerin zwischen zwei Kulturen. Meine Reise ist also für Frauen gedacht, die gerne Rad fahren und Interesse an der fremden Kultur Marokkos haben.

Warum richtet sich die Marokko-Radreise explizit nur an Frauen?
Wenn wir als Frauengruppe unterwegs sind, bekommen wir in Marokko einen anderen, intensiveren Einblick. So besuchen wir beispielsweise Frauenkooperativen und können bei der Herstellung des Arganöls dabei sein. Unsere Begegnung ist dabei viel direkter und viel selbstverständlicher – quasi von Frau zu Frau. Außerdem erfahren wir oft zusätzlich Interessantes. Wenn zum Beispiel am Straßenrand ein Schild „Frauenkooperative“ steht, dann bedeutet das nicht allzu viel. Die Frauen erzählen oftmals, dass sie ihr verdientes Geld einem Patron abgeben müssen, dass also doch ein Mann übergeordnet ist. So freimütig würden sie uns möglicherweise nicht davon erzählen, wenn ein Mann in unserer Gruppe wäre. Wir sind so etwas wie Verbündete.

 

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